Aktuell

Nein zur Vollgeld-Initiative

Eidgenössische Abstimmung vom 10. Juni

Im Juni stimmen wir über die Vollgeld-Initiative ab, die bisher auf wenig Begeisterung stösst. Der Verein Monetäre Modernisierung, die jungen Grünen und die JUSO unterstützen das Ansinnen. Grund genug, die Initiative abzulehnen? So einfach ist es dann wohl doch nicht.

Worum geht es: Die Initiative ist nach der letzten Finanzkrise entstanden. Sie soll die Finanzmärkte stabiler machen und Gelder sichern, welche bei Banken deponiert sind. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, jedoch über den vorgeschlagenen Weg zum Ziel. Die Initiative verlangt, dass künftig Sichtguthaben (das sind z.B. Gelder auf Zahlungsverkehrkonti) nicht mehr für die Vergabe von Krediten eingesetzt werden dürfen. Diese Sichtguthaben müssten die Banken zu 100 Prozent in Form von Liquidität halten - dies bezeichnen die Initianten als Vollgeld. Es handelt sich etwa um 500 Milliarden Franken, was rund einem Drittel der vergebenen Kredite entspricht. Hingegen Spar- und Anlagegelder - rund 1'200 Milliarden Franken - müssten nicht als Vollgeld gehalten werden.

Für Private und KMU führt eine Annahme der Initiative zu teureren Krediten und höheren Kontoführungsgebühren. Für Banken versiegt nämlich mit dieser Initiative eine Geldquelle für die Vergabe von Hypotheken oder Betriebskredite. Denn die erwähnten 500 Milliarden Franken dürfen nicht mehr in Form von Krediten an Kunden ausgeliehen werden. Die dadurch entstehenden Kosten würden ziemlich sicher auf Kunden überwälzt.

Die Angst der Initianten ist, dass Banken ihren Kunden ihre Guthaben nicht mehr auszahlen können, weil nicht alles Geld sofort verfügbar ist. Diese Angst ist berechtigt, die Angst wird aber erst zur Realität, wenn alle Kunden auf einmal ihr Geld abheben wollen. In diesem Fall kollabiert das System. Nur: Ein sogenannter «Bankrun» ist in der Theorie viel wahrscheinlicher als in der Praxis. Das Problem der Finanzkrise war nämlich nicht, dass alle Kunden ihr Geld zurückverlangt haben, sondern dass der Markt zwischen den Banken kollabierte. Banken haben sich untereinander nicht mehr vertraut. Darauf hat die Initiative aber keine Antwort.

Die Schweiz wäre bei einer Annahme dieser Initiative ein monetäres Versuchskaninchen der weltweiten Staatengemeinschaft. Niemand kennt dieses System. Ich bin überzeugt, es würde das Finanzsystem in einen permanenten Ausnahmezustand stürzen und Finanzmarktturbulenzen wären gewiss. Wieso soll sich die Schweiz auf ein derartiges Experiment einlassen? Es wäre zweifellos spannend - anstatt neue Probleme schaffen, sollten wir uns aber dennoch auf die Lösung bestehender Probleme konzentrieren. Diese gibt es genügend, denken wir nur an die steigenden Gesundheitskosten oder die Altersvorsorge.

An einem Vortrag über diese Initiative wurde ich von einem Herrn gefragt, ob ich ein stichhaltiges Argument für diese Initiative hätte. Ich verneinte und der Herr entgegnete, wenn ich doch noch eines finde, soll ich mich doch bitte bei ihm melden. Bisher habe ich keines gefunden, habe mich auch nicht gemeldet und lehne die Initiative immer noch klar ab. Sie ist riskant (monetäres Versuchskaninchen), teuer (Zeche bezahlen KMU und Private) und nutzlos. Nutzlos, weil sie die Finanzkrise nicht verhindert hätte.

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