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1. August in Rottenschwil

1. August in Rottenschwil

Freiheit statt Sozialismus

Freiheit statt Sozialismus: 1. August-Rede Silvan Hilfiker

 

Was isch für Sie Freiheit? Isch es, under freiem Himmel es friedlichs 1. August-Fest fiire? Am Obig a dä Rüss entlang laufe ohni Angscht z’ha? I anderi Länder reise, wenns Fernweh lockt?

 

Oder det he go, wo mer grad will? Freiheit. Für üs Schwizerinne und Schwizer Tradition, oder fascht en Selbstverständlichkeit?

 

Liebi Rotteschwilerinne und Rotteschwiler, liebi Fästgmeind, herzlich willkomme a dä 1. August-Fiir.

 

Ich freu mi sehr, dass ich uf däre Siite vo dä Rüss dörf Gast sii. Ich überlegg mir immer, was mi mit däm Dorf verbinded, wo n i e Red dörf halte. Ich mues ihne ehrlicherwiis gestoh: Bi Rotteschwil isch mir das ned eifach gfalle! Das isch überhaupt ned wertend gmeint. Klar, ich fahre amigs mit em Velo dä Rüss entlang, bi als Chind ab und zue uf dä Rüss go böötle. Aber so e richtigi Verbindig wie Heimatort, ersti Liebi oder so – mit däm chan i ned uftrumpfe. Isch es also ganz eifach e Gmeind im Bezirk Muri?

 

Mir isch doch no öppis in Sinn cho: und ich weiss ned, ob das d Frau Gmeindamme weiss. Villicht hätti sie mi sosch ned iglade. Ich ha mol zäme mit em Bremgarter Bezirksazeiger bimene 1. April-Scherz über Rotteschwil mitgmacht. Villicht möged Sie sich no dra erinnere: mir händ drüber brichtet, dass Rotteschwil vom Bezirk Muri in Bezirk Bremgarte wechsled. Ich glaub vor allem d Lüüt uf dä Verwaltig sind chli überrascht gsi, wo si am Morge d Ziitig ufdo händ. Umso meh freut’s mi, dass ich hüt dörf do si, i mim Heimatbezirk. Ich bi nämli im Bezirk Muri, also au uf däre Siite vo dä Rüss, ufgwachse.

 

Mir fiired hüt dä Geburtstag vo dä Schwiiz. Händ Sie sich scho mal überleid, wieso mir usgrechnet dä 1. August fiired und ned öppe dä 12. September? A däm Tag im Jahr 1848 isch üs nämli die erst Verfassig gä worde, wo d Grundzög für d Schwiiz wie mir sie hüt kenned, gleid häd. Vielleicht, will mir als Urdemokrate ebe doch e Sehnsucht nach alte Gschichte und Mythe händ.

 

Ersch nach dä Wiederentdeckig vom Bundesbrief häd mer sich nämli uf dä 1. August 1291 als Gründigstag vo dä Schwiiz geiniged. D Schwiiz häd ebe zwei Gschichte: die vom moderne Bundesstaat und die vo dä Eidgenosseschaft, wo, so will’s zumindest d Legende, verschwörerisch uf dä Rütliwiise zmitzt i dä Urschwiiz gründet worde isch, mit erhobene Schwurfinger. Das mir dä 1. August düend fiire, lied dra, so häds dä Schriftsteller Peter Bichsel eimal gseid, dass «das Kraftprotzentum unserer Vorfahren» mit ihrne Schlachte üs wiit meh Idruck mached als die politisch Leistig vo dä eigentliche Staatsgründig.

 

1891, wo dä Nationalfiirtig zum ersten Mal offiziell begange worde isch, häd Zürcher Post heftig kritisiert, dass d Bundesfiir uf dä 1. August gleid worde isch. Und zwar will si kei Naturblueme, kei Alperose sondern es Zimmergwächs vo Glehrte und Beamtestube sägi und zfest nach Archiv schmöcki. Wenn i jetzt aber do stoh, schmöck ich allerdings weniger dä Gruch vo dä Amststube sondern viel meh dä Duft vo Grilliertem. Ich bi also scho richtig do.

 

Ob jetzt dä 1. August 1291 oder dä 12. September 1848, ei Begriff prägt d Schwiiz und isch quasi üsi Essenz: D Freiheit. Und zum Thema Freiheit möchte ich Ihnen es paar Gedanke mit uf dä Weg gä.

 

Dä Wert vo dä Freiheit schätzed und verstönd vor allem die, wo sie nie gha händ und zum Teil immer no ned händ. Das sind Mensche, wo i autoritäre Regime, sogenannt «glänkti Demokratie» wie Russland oder China läbed oder i religiöse Diktature, wo Recht nach barbarische Gsetz vom Mittelalter usgüebt wird. Recht isch s falsche Wort. Det herrsched Willkür und Unrecht. Die Regime stelled für üses Staatsverständnis kei Bedrohig dar. Ganz im Gägesatz zum Sozialismus, wo für mich s Gägestuck vo Freiheit  isch. Dä Sozialismus isch wieder salonfähig worde. E jungi Generation vo Sozialiste – mer cha sie jo nüme als Sozialdemokrate bezeichne – holed alti Rezept us dä marxistische Schublade und verkaufed sie unter em Titel vo dä «Grechtigkeit».

 

Riichestüür, Einheitskasse und sogar Enteignige werded plötzlich wieder diskutiert und i dä politischi Prozess ibrocht. Oder öppe es bedingigsloses Grundikomme, wo s Volk zum Glück klar bach ab gschickt häd. Dä Spiritus Rector vo däre Idee isch übrigens eine gsi, wo s Lebe lang als Beamte und am Endi als Bundesrotssprecher sis Geld verdient hät. Mit ere Beamtepension im Rugge lönd sich detigi Planspiel offesichtlich liecht mache. Aber ebe: wer im Wohlstand lebt und ihn ned ufbaut häd, mag gern dä Verfüehrig vo dä sozialistische Utopie erligge, wo es Paradies uf Erde und d Glichheit vo dä Mensche verspricht. Und dezue die frei Marktwirtschaft in Grund und Bode verdammt, will sie d Unglichheit förderi und so d Gsellschaft spalti.

 

Es lohnt sich, die Utopiste mit däne z konfrontiere, wo dä Sozialismus am eigne Liib gspürt händ. Wie öppe dä ehemalig dütschi Bundespräsident Joachim Gauck.
I eine vo sine hörenswerte Rede häd er eimal gseid: «Freiheitsliebe trat im Tarnanzug auf», will d Sehnsucht nach Freiheit i dä sozialistische DDR nur im Versteckte häd glebt werde chöne. Weli mächtige Atriebsfedere Freiheit wirklich isch, wird in Europa sichtbar wo Pole, Ungarn, Tschechie und i dä DDR Endi vo dä 80er Jahre d Bürgerinne und Bürger uf d Stross sind. Sie händ demonstriert ned öppe wäge höchere Löhn oder bessere Versorgig. Nei, sie sind ufgstande, um frei zsi.

 

Für d Mensche im Sozialismus isch Freiheit e Hoffnig und e Vision. Für üs isch sie e Selbstverständlichkeit. Politikerinne und Politiker us em Weste vo Dütschland reded immer über Grechtigkeit. E Politikeri wie d Angela Merkel, wo us em Oste chond, redt immer über Freiheit, will sie weiss, dass es ohni Freiheit kei Grechtigkeit cha gä.

 

Oder es anders Biespel, wo üs chli nöcher liid: Viellicht händ sie vor churzem de Dok im Schwiizer Fernseh gseh, wo d’Reis vom Bündner Moderator Salar Bahrampoori i sini zwöiti Heimat, de Iran zeigt. Er hed, wie er det seid, s’Privileg gha, ide Schwiiz dörfe ufzwachse. Im Iran wird ihm ganz stark bewusst, wases bedütet, frei zsi, zmache, was mer will, ohni das mer kontrolliert wird. Er wird’s nämli dete. En iranische Fründ wird gfroged, öb de Salar meh Schwiizer oder Iraner isch. Dä antwortet, dass de Salar, will er zfriede isch mit sim Läbe, meh Schwiizer isch. Das sind vieli Iraner ned. Und, de Iraner im Salar würd denn zum Vorschin cho, wenn er müessti im Iran läbe und ned eifach chönnti cho und goh, wie er das als Schwiizer chan.

 

Freiheit isch für die Mensche det öppis, wo sie üs drum bewundered und wo sie als Lebensglück bezeichned.

 

Als liberale Mensch bekenn ich mich zu Freiheit. Freiheit isch s Fundament vo mim Staatsverständnis und do demit isch unmittelbar Eigeverantwortig verbonde. Lönd sie mich das erkläre:

 

Jedi und Jede isch i erster Linie für sich selber verantwortlich. Mir alli wänd, dass d Wirtschaft floriert, dodezue bruchts kei staatlichi Zwangsmassnahme und au kei Bevormundig. En Unternehmer weiss viel besser was für sis Unternehme guet isch, als en Sozialist, wo sis ganze Läbe uf Staatschoste lebt und kei Verantwortig für sich übernimmt. Wer d Marktwirtschaft i Frog stellt, will sich nume vor dä Verantwortig drücke, im Diskurs Kompromiss z‘erziele und so zu dä richtige Lösig cho. Ich gibe zue, die Ussag isch chli provokativ… Ich hoffe, Sie nämed’s mir nid übel.

 

Wenn mer vo Sozialismus als Gegestück vo Freiheit redt, chont mer ned um Kuba ume. En Fründin vo mir isch mal in Kuba gsi. Det isch das vor Jahre no sehr klar zum Usdruck cho, wases bedütet, under sozialistische Verhältnis zläbe. Mer läbt, alli händ öppis wenigs, aber d’Motivation öppis z’leischte verschwindt und lähmt en ganzi Gsellschaft. Und füehrt denn au dezue, dass es allne immer chli weniger guet goht.

 

Die wo e Systemwechsel herbireded, handled so als ob mer dä Fuessballsport abschaffe will, nume will es paar Spieler fouled oder Bestechig im Spiel isch. Das isch ned min Weg. Ich setze uf Eigeverantwortig. Was i dodemit meine, zeig ich Ihne ame wiitere Biespel uf.

 

Ich erinnere mich an e heftigi Diskussion mit eme guete Kolleg – es isch fasch ime Striit usgartet. Ime Restaurant in Stockholm händ mir heftig diskutiert, wo Eigeverantwortig ufhört. Mit dä Ziit händ d Lüüt üs zimli gmustered – ich gibe zue, es isch emotional zue und her gange…Während ich konsequent für Eigeverantwortig igstande bin, isch min Kolleg gegenüber Verbot ned so abgneigt gsi. Letztlich händ mir üs geiniged: es brucht scho Regle, vor allem dänn, wenn mer anderi mit sim Verhalte dued gfährde. Dä Staat mues dä Rahme vorgä und die notwendige Regle ufstelle. Nid öppe um üs am Gängelband z’füehre sondern um üsi Freiheit z’sichere.

 

Damit Freiheit überhaupt möglich isch, müend mir alli Verantwortig übernä. Do dezue ghört au üsi guet funktionierendi Sozialpartnerschaft. Um die beniided üs s Usland. Sie isch Grundlag vo üsem wirtschaftliche Erfolg. Mir bruched Fortschritt und mir bruched Wachstum, um die unghüre Summe ufzbringe, wo mir für üsi Sozialwerk bruched. E solidarischi Gsellschaft, hilft däne, wo’s mal ned so guet god und versucht sie wieder uf dä richtig Weg zbringe, selber Verantwortig z übernä. Sie selled wieder a dä Freiheit teilnä. Mir tüend niemerem öppis Guets, wenn mir ihne die Astrengig ned zuemuetet.

Ich chume zumene letzte Gedanke, bevor ich zum Schluss chome.

Ich has gseid: Freiheit bedütet Verantwortig übernä, unabhängig vom soziale Status und Ikomme. Für üs, d Gsellschaft und d Schwiiz – i däm mir mitbestimmed. Eigetlich müessted mir stolz si, dass mir i dä Schwiiz so en grossartigi Möglichkeit händ, mitzbestimme. Ich froge Sie: Schätzed Sie d Mitbestimmig? Ich han mängmal dä Idruck, dass üs die Verantwortig vell zwenig bewusst isch oder mir die sogar als selbstverständlich alueged. Viellicht simmer bi gwüssne Theme au glichgültig oder händ kei Meinig meh…Viellicht überfordered aber au mängisch die lange Usfüehrige ide Stimm- und Wahlunterlage, das mer lieber nüd macht, als s’falsche. Und denn werded au vo allne Siite politischi Diskussione gfüehrt und wil mer ned allem trout, was mer ghört, wird mer verunsichered. Aber genau die Diskussione wiederum sind bsunders. Ned nume ei Partei dörf sich üssere, alli dörfed ihri Meinig säge. Das isch en Teil vo de Freiheit. Mir schätzed das mängmol viel zwenig.

 

Leider – und das find ich wirklich sehr schad, nähmed immer weniger Schwizerinne und Schwiizer ihres Recht uf Mitbestimmig wahr. D Abstimmigs- und Wahlbeteiligung isch tüf und sie god immer meh zrugg. Isch das so, wills üs so guet god? Vergessed mer denn, dass es nume so wiitergoht, wemmer das Mitbestimmigsrecht au wahrnehmed? Villicht isch es aber au darum, will mir uf Facebook und Twitter bereits üsi Meinig säged und s’ denn zviel wird, die au no politisch bekannt z’gä…

 

Ich ermuntere Sie, nähmed Sie Ihres Mitbestimmigsrecht und d Verantwortig für sich, d Gsellschaft und d Schwiiz wahr! Gönd Sie go abstimme.

 

Mir chönd üsi Zuekunft aktiv mitgstalte, das isch es Privileg! Freiheit und Mitbestimmig sind aber ganz und gar kei Selbstverständlichkeit.

 

Das es paar Gedanke zum Thema Freiheit. Ich chume zum Schluss: Immer wieder begeg ich Mensche wo Angst vor dä Zuekunft händ, wäge dä Digitalisierig, dä Globalisierig und neuerdings au wägem Klimawandel. Ich nihme die Sorge ned uf die liecht Schultere, halte s aber lieber mit dem ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt, wo 1933 zmitzt i dä wirtschaftliche Depression gseid häd: „S einzige wo mir müend fürchte, isch d Furcht selber. Sie lähmt üs, das z’mache was es brucht um frei zsi und eigeverantwortlich z’handle.“ Und das möchte ich Ihne as Herz legge. Natürlich isch üs allne bewusst, dass es Lebe i Freiheit keis konstants Glück bringt und au ned ohni Krise isch. Ich träume aber vome Land, wo n‘i ned nur zfriede bi will alles guet funktioniert, sondern will mir stolz sind am demokratische Prozess teilzha. Hüt a üsem Nationalfiirtig, aber auch im ganz normale Alltag.

 

Freiheit. Für üs Schwizerinne und Schwizer Tradition, ja fascht en Selbstverständlichkeit.

 

Was god Ihne dur dä Chopf, wenn Sie a Freiheit dänked? Das han i Sie am Afang vo miner Red gfrogt. Villicht händ Sie wäred mine Usfüehrige im Stille es paar Antworte gfunde, was es für Sie bedütet. Ich han Ihne igangs au in Ussicht gstellt, dass i ihne es paar Gedanke zu Freiheit mit uf dä Weg möcht gä. Ich hoffe, dass ich Ihne dä eini oder anderi Gedanke-Astoss gä ha und Sie dra dänked, dass Freiheit alles anderi als selbstverständlich isch.

 

Erlaubed Sie mir no e letzti Frog: Sind Sie hüt freiwillig do? Oder häd sie öpperd müesse öberrede? Wie au immer, Freiheit heisst halt mängisch au, e Kompromiss i zgo. Gnüssed Sie no dä Geburtstag vo dä Schwiiz, bliibet sie nachli do und nähmed sie sich d’Freiheit use, wenn Sie gnueg händ, ufzstoh und hei zgoh!

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