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Rede zur EKF Abteilung 51

Rede zur EKF Abteilung 51

Freiheit ist für uns Schweizerinnen und Schweizer eine Selbstverständlichkeit. Wir nehmen sie als gegeben hin. Aber:

Was bedeutet Freiheit für Sie? Qu'est-ce que la liberté pour vous?
Bedeutet es, hier unter freiem Himmel zu stehen ohne eine Bedrohung zu befürchten? Bedeutet Freiheit für Sie, mit Ihrer Familie in Sicherheit und ohne Angst leben zu
können? Oder bedeutet Freiheit für Sie, dass Sie in ihr ziviles Leben zurückkehren werden? Wir haben das Privileg, uns überhaupt diese Gedanken machen zu können.
Wir sollten aber nie vergessen, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, immer wieder erkämpft werden muss und den meisten Menschen auf diesem Planeten vorenthalten wird.

Sehr geehrter Herr Wyniger
Sehr geehrter Herr Oberst i Gst WickSehr geehrter Herr Oberstlt i Gst Jones
Geschätzte Offiziere, höheren Unteroffiziere und Unteroffiziere
Geschätzte Obergefreite, Gefreite und Soldaten
Geschätzte Damen und Herren
Cher participants

Ich freue mich, Sie alle zur Abgabe der Standarte hier in Muri, meinem Heimatbezirk, begrüssen zu dürfen. Muri ist für mich ein wichtiger Ort. Ich habe hier nicht nur die Schulbank gedrückt, sondern auch Freundschaften fürs Leben geschlossen. Freunde, wie Sie sicher auch hier im WK gewonnen haben.

Meinen WK verbrachte ich jeweils in Payerne als Truppenbuchhalter. Bitte verzeihen Sie mir, dass ich trotzdem die französische Sprache nicht perfekt beherrsche. Ich muss Ihnen nämlich gestehen, ich habe mich zu oft mit Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer abgegeben nd die Chance vertan, mein Französisch zu verbessern. Ich hoffe, dass die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer unter Ihnen diese Chance besser genutzt haben. Wenn nicht, machen Sie es beim nächsten Mal besser als ich. 

Erlauben Sie mir eine Frage: Welche Erinnerung bleibt Ihnen, wenn sie später einmal an diesen WK zurückdenken? Wenn ich an meine WKs denke, fallen mir zwei Punkte ein. Einerseits die vielen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, anderseits die Kameradschaft. On pouvait compter sur l'autre.

So war auf meine Kameraden Verlass. Insbesondere dann, wenn Sie mich mit meiner schweren Packung unterstützten. Dies begann meistens bereits beim Packen. Ich mache kein Geheimnis daraus: Ich war ziemlich untalentiert…

Im Gegenzug unterstützte ich meine Kameraden, wenn sie beispielsweise eine Bewerbung schreiben mussten. An dieses «Geben und Nehmen» erinnere ich mich sehr gerne zurück. Deshalb bin ich überzeugt: der Milizdienst bringt nicht nur Deutschschweizer in die Romandie und Romands in die Deutschschweiz, sondern verbindet uns alle. Zivil gelerntes wird in der Armee genutzt – die Armee profitiert. Jeder einzelne in der Armee wiederum profitiert von der Gemeinschaft, dem Netzwerk, der Ausbildung und von den Geschichten, die er noch Jahrzehnte nach dem Dienst zu erzählen weiss. 


Die Kameradschaft ist das Eine, der freiwillige Einsatz das Andere, was unsere Schweiz und die Armee so besonders macht. Aber wozu dient diese Kameradschaft, wofür braucht es unser Milizsystem. Um unsere Freiheit zu sichern und sie – wenn nötig – zu verteidigen. Die Miliz, der Grundpfeiler der Armee, dient seit jeher dazu, die Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz zu schützen. Freiheit und Unabhängigkeit waren beim sagenumwobenen Rütlischwur 1291 sowie bei der Gründung des modernen Bundesstaates 1848 die gemeinsamen und verbindenden Werte der Eidgenossenschaft. Die Bundesverfassung sagt im Artikel 2 dazu:
«Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.»

Für Sie heisst dies, dass Sie mit Ihrem Dienst Ihre Verpflichtung wahrnehmen und die Freiheit schützen. Für Ihren Einsatz für die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Sicherheit der Schweiz danke ich Ihnen. Durch Ihren Einsatz wird die Schweiz freier und sicherer.

Freiheit ist kein Zustand, kein theoretischer Begriff, Freiheit ist ein Gefühl, das uns erlaubt, einen freien Willen zu haben und über unser Leben selber zu bestimmen. Wissen Sie, wer die Freiheit am meisten schätzt und immer wieder ihren Wert betont? Es sind diejenigen, die keine Freiheit hatten wie etwa die Bürgerinnen und Bürger der DDR. Wenn der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck oder die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Rede halten, dann steht immer die Freiheit im Vordergrund. Weil sie als ehemalige Bürger der DDR wissen, was es bedeutet ohne Freiheit leben zu müssen. Ihre westdeutschen Kolleginnen und Kollegen reden lieber von «Gerechtigkeit», weil sie – fälschlicherweise – davon ausgehen, dass Freiheit eine Selbstverständlichkeit ist.

Eine Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten, lebt in Staaten mit autoritären Regimen wie in vielen Ländern Afrikas, in sogenannten gelenkten Demokratien wie Russland oder religiös motivierten Diktaturen wie Saudiarabien. Dort wird nach barbarischen Gesetzen «Recht» gesprochen, wobei man von Recht gar nicht sprechen kann, sondern nur von Willkür und Unrecht.
Diese Staaten stellen zwar für unser Staatverständnis keine Bedrohung dar, aber geopolitisch sind sie die Ursache für hochgefährliche Konflikte wie etwa im Nahen Osten. In Kombination mit Ressourcenknappheit, Umweltproblemen und einem Erstarken von demokratiefeindlichen Ideen – auch bei uns – führt dies zu einer Welt der Unsicherheit und zu Migration, die uns alle noch lange beschäftigen wird und Populisten überall nutzen, um sich an die Macht zu bringen.

Insofern sind sie auch eine Bedrohung für uns und für unser Verständnis des Zusammenlebens.

Mit dem Aufstieg Chinas zeigt sich, dass plötzlich ein anderes Staatsverständnis neben Demokratie und Freiheit wirtschaftlich Erfolg haben kann – eine gelenkte Staatswirtschaft, die diktatorische Elemente mit marktwirtschaftlichen Prinzipien kombiniert. Freiheit ist nicht gefragt und nicht gewünscht. Darum werden alle Bürgerinnen und Bürger systematisch überwacht und für ihr Verhalten entweder bestraft oder befördert. Ganze Volksgruppen werden unterdrückt und was nicht passt wird passend gemacht. Die Freiheit des Einzelnen zählt nichts, die Überwachung ist allgegenwärtig.

Wir haben viel Erfahrung mit der Freiheit und erkennen, wenn diese eingeschränkt wird. Wir stützen uns auf unsere Herkunft und leben in der Gegenwart. Aber wir sind ängstlich, wenn es um unsere Zukunft geht. Immer wieder begegne ich Menschen die Angst vor der Zukunft haben, sei dies aufgrund der Digitalisierung, der Globalisierung oder neuerdings des Klimawandels. Wir dürfen die Sorgen nicht auf die leichte Schulter nehmen, jedoch halte ich nichts von übertriebener Angstmacherei.

Der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt, sprach 1933 zur Wirtschaftskrise: «Das einzige, wovor wir uns fürchten müssen, ist die Furcht selber. Sie lähmt uns, das zu machen was es braucht um frei zu sein und eigenverantwortlich zu handeln.»

Diesen Gedanken lege ich Ihnen ans Herz. Natürlich wissen wir alle, dass ein Leben in Freiheit kein konstantes Glück bringt und ohne Krisen ist. Ich träume aber von einem Land in dem wir nicht nur zufrieden sind, weil alles gut funktioniert, sondern auch stolz sind auf unser Land, unsere Freiheit und die Demokratie.
Ich habe Sie zu Beginn gefragt, was Ihnen durch den Kopf geht, wenn Sie an Freiheit denken. Vielleicht haben Sie während meinen Ausführungen einige Antworten darauf gefunden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen den einen oder anderen Gedankenanstoss geben. Und denken Sie daran, Freiheit ist alles andere als selbstverständlich. Ihr Einsatz für die Armee war und ist wichtig und schützt unsere Freiheit.


Viele von Ihnen erhalten nun wieder ein Stück Freiheit zurück – Ihre persönliche Freiheit – fernab von der dienstlichen Pflicht. Vielleicht freuen Sie sich auch ganz einfach wieder auf Ihr eigenes Bett….

Wie auch immer, ich wünsche Ihnen alles Gute, viele positive Erinnerungen an die Erlebnisse hier im Freiamt und an Ihre Kameraden. Ich hoffe, es hat Ihnen in meiner Heimat – dem Freiamt gefallen. Es lebe die Freiheit, es lebe die Schweiz. Vive la liberté. Vive la Suisse.

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